Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen — und das hat reale Auswirkungen auf Recht, Steuern und Bewilligungen. Eine Übersicht, was kantonal geregelt ist und was nicht.
Der Schweizer Föderalismus verteilt staatliche Macht auf drei Ebenen: Bund, Kantone, Gemeinden. Die Bundesverfassung (Art. 3 BV) garantiert den Kantonen Souveränität, soweit der Bund nicht zuständig ist. In der Praxis bedeutet das: vieles, was im Alltag relevant ist, wird kantonal entschieden.
Aufgabenverteilung
Bund
Aussenpolitik, Armee, Währung, Postwesen, Sozialversicherungen (AHV, IV, ALV), Bundessteuer, Zoll, weitgehend Zivilrecht (ZGB, OR), Strafrecht (StGB). Der Bundesgesetzgeber definiert den nationalen Rahmen.
Kantone
Polizei, Bildung (Schulen, Universitäten), kantonale Steuern, Migrationsvollzug (das Bundesgesetz wird vom Kanton vollzogen), Bauwesen, Spitäler, Justizorganisation (Gerichte sind kantonale Behörden, aber wenden Bundesrecht an). Kantonale Gesetze ergänzen das Bundesrecht in vielen Bereichen — z.B. Ausführungsverordnungen zum Mietrecht oder zum Strassenverkehr.
Gemeinden
Lokale Verwaltung, kommunale Steuern (in den meisten Kantonen die wichtigste Steuerquelle für die Gemeinden), Bürgerrecht (Einbürgerungen werden auf Gemeindeebene begonnen), Bauwesen-Vollzug, lokale Infrastruktur.
Was bedeutet das für Mandant:innen?
Steuerbelastung variiert kantonal und kommunal um den Faktor 2-3. Eine vermögende Privatperson kann je nach Wohnsitzkanton 100'000 bis 400'000 Franken Steuern pro Jahr unterschiedlich zahlen. Unternehmen können in Zug, Schwyz oder Luzern deutlich tiefere Steuersätze haben als in Genf, Basel oder Bern.
Migrationsbewilligungen werden zwar nach Bundesrecht erteilt, aber kantonal vollzogen. Zürich, Genf und Zug haben sehr unterschiedliche Praktiken bei Aufenthaltsverlängerungen, Bewilligungskategorie-Wechseln und beim S-Status-Übergang.
Im Zivilprozess gelten kantonale Eigenheiten: Gerichtsorganisation, Schlichtungsverfahren, Anwaltsmonopol vor bestimmten Instanzen, Gerichtskosten. Wer mit einer Schweizer Gegenpartei in einen Rechtsstreit gerät, sollte das kantonale Verfahrensrecht kennen — oder eine Anwältin haben, die es kennt.
Praktische Konsequenz
Wenn Sie internationale Geschäfte machen, einen Aufenthalt planen oder eine Nachfolge regeln, ist die Wahl des Kantons keine Nebenfrage. Sie kann den Unterschied zwischen einem zermürbenden Verfahren und einer reibungslosen Lösung ausmachen.